Jean-Marie Bytebier

 

Jean-Marie-Bytebier

 

Sehen Künstler mehr?

Eine Balance zu finden zwischen figurativer und abstrakter Malerei könnte die Zielsetzung des flämischen Künstlers Bytebier lauten.

Seine Landschaften sind dann auch zu erkennen, wirken andererseits aber nicht sehr wirklichkeitsgetreu.

Vielmehr erschliessen sich dem Betrachter seiner Landschaften Details, die man eigentlich nicht sehen kann wie Ruhe, Weisheit, Kraft oder Ausdauer. Es sind wie er sagt “Fragmente”. Denn die heutige Welt sei viel zu komplex, um sie zu verstehen, weswegen er sie auch nur in Fragmenten zeige. Auch gibt es keine Zeit, nur den Moment.

Sehr originell und noch nie zuvor gesehen sind jene Gemälde, auf denen Teile fokussiert werden zum Beispiel in seinen Werken mit dem Titel “ver-bergen”. Was er wohl zeigen will, von dem, das wir verbergen?

Der im ostflämischen Deinze geborene Künstler (1963) studierte an der Akademie für Schöne Künste in Gent. Er war bereits 2012 und 2015 auf der Biennale in Venedig zu sehen. Jetzt zeigt eine interessante Ausstellung im Museum von Elsene eine Vielzahl seiner Werke in Acryl auf Holz oder Leinwand (bis 29.05.2016).

 

Museum van Elsene
Jean Van Volsemstraat 71
1050 Brüssel (Elsene/Ixelles)
Di – So 9.30 – 17 Uhr
http://www.museedixelles.be

Bosch in s’Hertogenbosch

Die Ausstellung läuft noch, ist aber zu normalen Zeiten so gut wie ausverkauft: Jheronimus Bosch – Visioenen van een genie, die noch bis zum 08. Mai in s’-Hertogenbosch gezeigt wird.

Gut also, wenn man schon dort war! Denn phantastisch im wahrsten Sinne des Wortes die Werke und einmalig in ihrer Zusammenstellung als Gesamtschau.

Deutlich hält uns Bosch den Spiegel vor: unsere Laster, unsere Ängste, egal wo und wann wir leben. Und damit auch heute noch aktuell.

Der Meister selbst lebte zwischen Mittelalter, einer Zeit, in der Gott im Mittelpunkt des Lebens stand, und der Renaissance, eine Zeit, in der der Mensch die Bühne auch in der Kunst eroberte.
Für das Gute und das Böse ist der Mensch selbst verantwortlich lehrt Bosch und fordert die Eigenverantwortung des Menschen ein (De Dood en de Vrek, 1500).

Jheronimus_Bosch_050Originell und geheimnisvoll schildert er die Folgen des Handelns: Geht Geld und Gott zusammen? Der Heuwagen (1510) rollt langsam aber sicher in die Hölle und zieht alle mit, die sich für das Heu (Reichtum) entschieden haben. Ja wir Menschen balancieren auf des Messers Schneide (Das Jüngste Gericht, 1495 1505, Gröningemuseum).

Neben seinen Gemälden werden auch viele Zeichnungen gezeigt. Es war Bosch, der sie zum eigenständigen Genre erhob und sie nicht nur als Skizze verwendete.

Ein Highlight im Ausstellungsjahr 2016!

 

 

 

Miro forever

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Nach der grandiosen Miro Ausstellung im Kunsthaus Zürich (siehe Blogbeitrag) gibt es einen Wermutstropfen: Die Joan Miro Foundation in Barcelona – Miro forever sozusagen.

Nach einem Besuch wird schnell klar: Miro selbst war ein Gesamtkunstwerk. Denn neben seinen gigantischen Gemälden und Wandmalereien produzierte er auch hier zu sehende Wandteppiche (zum Beispiel den Teppich mit acht Schirmen), Skulpturen oder Keramik.

Seine Werke sprechen eine besondere Sprache, die sich vielleicht nicht unmittelbar erschliesst. Trotzdem: Das Verweilen vor “Das Lächeln einer Träne” (1973), “Femme assise” (1931) oder “Flame in Space” (1932) lohnt sich. Letztlich erzählen sie fantastische Geschichten.

Dada – ein satirischer Protest

Vor 100 Jahren ging von einer kleinen Gruppe Emigranten in Zürich eine Kunstbewegung aus, die bald auch Berlin, Hannover, Köln, New York und Paris erreichte. Ihr zufällig gefundener Name “Dada” steht dann auch für den Zufall, für Absurdität, für Verweigerung und Ablehnung bisherheriger Kunststile, aber auch der bürgerlichen Gesellschaft, die zu dieser Zeit in den ersten Weltkrieg verstrickt war. Die Gruppe inszenierte sich allabendlich in der Künstlerkneipe “Cabaret Voltaire” in Zürich mit humoristischen und absurden Texten oder musikalischen Auftritten. Damit waren sie Vorreiter der späteren Konzeptkunst.

Neben anderen Städten gedenkt jetzt auch die Dada Stadt Zürich dieser Gruppe rund um Hugo Ball, Emmy Hennings, Tristan Tzara, Hans Arp und vielen anderen mit verschiedenen Events und Ausstellungen. Die Nachbarstadt Winterthur widmet in ihrem Kunstmuseum eine Ausstellung der zentralen Figur des Dadaismus – Hans Arp (1886 – 1966).

 

Informationen unter:

http://www.dada-data.net

http://www.dada100zuerich2016.ch

http://www.arpmuseum.org

http://www.kmw.ch

 

 

Der Welt entrückt: Hans Arp

Hans Arp

Hans Arp (geb.1886 in Strassburg)

Der Engel und die Rose
sind fortgezogen
flußaufwärts der Träume
in das Innere ihrer selbst.
Sie sind fortgezogen,
dorthin wo man nicht mehr stirbt
zu den großen weißen Schwalben
zu den durchsichtigen Engeln
dorthin wo man nicht mehr stirbt.
Sie sind fortgezogen
in das Innere ihrer selbst
flußaufwärts der Träume.
Der Engel und die Rose
sind fortgezogen.
Hans Arp

Was versteht man unter Japonismus?

 

Inspiration Japan

Wer kennt den Begriff Japonismus?

Die Kunsthalle Zürich erklärt ihn kurz und bündig:

Kein Stil oder Epoche, sondern Leidenschaft für die japanische Kunst & Kultur.

Wer sich ein Bild von dieser Begeisterung machen will, besucht am besten die Ausstellung “Inspiration Japan”,

die das Kunsthaus Zürich noch bis zum 10.Mai präsentiert.

Ganz großartige Gemälde wie von Monet, Gauguin, van Gogh, aber auch Masken und typische japanische Gebrauchsgegenstände werden gezeigt.

Auch wenn der Fokus auf den Jahren zwischen 1860 -1910 liegt, als sich viele französiche Künstler von Japan inspirieren ließen, fand ich es doch schade, dass der Begriff Japonismus nicht in einen größeren Zusammenhang gestellt wurde. Denn wie eine Ausstellung in Köln im vergangenen Jahr zeigte, gab es auch Künstler in anderen Ländern, die der Faszination Japan erlagen, wie zum Beispiel Paul Klee (1879 – 1940).

MONS (Bergen) Europäische Kulturhauptstadt 2015

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Warum ist eine Kleinstadt mit 95.000 Einwohnern in der unscheinbaren belgischen Provinz Henegouwen Kulturhauptstadt? Die Antwort ergibt sich erst nach einem Abstecher dorthin:

Weil die Stadt völlig zu Unrecht unbekannt ist.

Mons wartet wie man das auch von anderen Kulturhauptstädten kennt mit vielen Ausstellungen und Ereignissen auf wie zum Beispiel derzeit mit der Ausstellung zu Vincent Van Gogh. Das aber ist nur Zubrot. Die Stadt selbst ist die Attraktion: Der historische Kern, fast unberührt, manchmal bis zur Renovierungsbedürftigkeit, aber echt und unverschandelt. Die wenigen neueren Gebäude zwischendurch vorbildlich integriert. Verkehrsberuhigt und damit wie fast vor dem Automobil ungewohnt erholsam. Beispiele sind der Grand Place und der Marché aux Herbes. Wunderschöner Belfried (Beffroi), im Barockstil zwischen 1661 und 1972 erbaut und Wahrzeichen der Stadt. Zu dessen Füssen liegt die imposante gotische Kirche der Hl. Waltraud, deren Überreste sie in einem Schrein beherbergt. Nicht weniger interessant ist die Heilige Elisabeth Kirche aus dem 18. Jahrhundert, deren Glockenturm von 1720 schon von Weitem sichtbar ist. Ein neues Kongresszentrum von Daniel Libeskind soll es auch geben, aber das ist dann fürs nächste Mal.

 

Europa in der Kunst – Europe in art

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Welches Kunstwerk symbolisiert am besten Europa?

Die Antworten der Besucher der Ausstellung “Europa in der Kunst”, die derzeit im Kunsthaus Zürich läuft, dürften sehr unterschiedlich ausfallen.

Eine, nämlich meine Wahl fiel auf die Neonschrift

“Demo n kratie” des Künstlers Kader Attia (2010).

Durch die kleine Veränderung mit der Einfügung des Buchstaben n wird aus der Volksherrschaft die Hölle. Nichts könnte prägnanter und treffender verdeutlichen, wie leicht Demokratie beschädigt und abgebaut werden kann und sie deshalb stets wachsam verteidigt werden muss.